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Wanderung: "Die Entstehung der Marburger Kulturlandschaft und ihrer Lebensräume"  -  Sonntag, 17. Mai 2009

- Eine Veranstaltung im Rahmen des 4. Hessischen Naturschutz-Erlebnistages -

Diplom-Geograph Ulf Marold führte die Gruppe, in der sich Teilnehmer aus Mardorf und sogar Hattersheim am Main befanden, über folgende Route:

Marburger Schloss – Dammelsberg – Wehrshäuser Höhe – Wehrshausen Fischteiche – Neuhöfe – Steinbruch – Drei Linden – Hasenkopf – Heiliger Grund – Ockershausen.

An den Anfang der Wanderung stellte er zunächst einige Definitionen, um den Teilnehmer den Titel der Veranstaltung zu erläutern, Grundlagen-Wissen zu vermitteln und die Vorfreude auf die bevorstehenden Erlebnisse zu steigern:
Eine Naturlandschaft ist nach engster Definition die Landschaft, die vom Menschen unbeeinflusst geblieben ist. Dem gegenüber entsteht eine Kulturlandschaft durch dauerhafte Beeinflussung der ursprünglichen Naturlandschaft durch den Menschen.

Daraus zog Marold den Schluss: Der Marburger Raum sei demnach keine Naturlandschaft, da die heute vorzufindende Landschaft komplett vom Menschen umgestaltet wurde. Dabei prägen allerdings naturräumliche Grundlagen die Gestalt der Kulturlandschaft, da natürliche Gegebenheiten das Handeln des Menschen beeinflussen.

Während der Wanderung warteten dann zahlreiche spannende Informationen auf die Teilnehmer. Zum Beispiel erfuhren sie, dass die Menschen das Marburger Lahntal zunächst auf den Terrassen und an den Talhängen oberhalb der Lahn besiedelten, denn die damals noch häufig überschwemmte Lahnaue war nicht besiedelbar. Dies wurde erst später durch die "Regulierung" des Flusses möglich. Die Bevölkerung nutzte vorhandenes Baumaterial, vor allem Buntsandstein und Basalt.

 Am Steinbruch zeigte sich indes, wie der Mensch in der Kulturlandschaft Lebensräume schafft, die so von Natur aus eigentlich nicht vorliegen würden. Der Steinbruch ist inzwischen ein Sekundärbiotop. Der einstige Abbau von Buntsandstein schaffte auf kleinem Raum eine Vielzahl von unterschiedlichen Kleinstlebensräumen wie die Abraumhalde, Tümpel oder die Steilwand. Dort finden zahlreiche Tiere und Pflanzen ein Refugium, die sonst in der Agrarlandschaft Schwierigkeiten haben, einen Lebensraum zu finden.

AgrarflächeAuch in Sachen Ackerflächen hielt der Diplom-Geograph noch interessante Informationen parat: Durch Realteilung, also die Aufteilung des Besitzes an alle Söhne des Bauerns, wurden die Flächen früher immer kleiner. Durch die technische Entwicklung unter anderem der Traktoren sind kleine Parzellen inzwischen jedoch unrentabel, daher stand im 20. Jahrhundert eine Flurbereinigung an. Dies bedeutete die Zusammenlegung vieler kleiner Parzellen zu einer großen, die Optimierung des Wegenetzes, die Beseitigung von Hecken oder auch die Begradigung kleiner Gewässer. Durch den Rückgang der Hecken ging der Verlust ihrer ökologischen Funktion unter anderem als Lebensraum oder Biotopverbund einher.

Heiliger GrundIm Heiligen Grund gab es derweil keine Flurbereinigung. Dort sind zahlreiche Streuobstwiesen erhalten geblieben – was in Hessen Seltenheitswert hat. Zum Beleg: Zwischen 1965 und 1987 ging die Zahl der Streuobstwiesen unter anderem wegen der Erweiterung der Siedlungsflächen um 83 Prozent zurück. 






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Letzte Aktualisierung: 15.11.09 U.M.

   
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