Diplom-Geograph Ulf
Marold führte die Gruppe, in der sich Teilnehmer
aus Mardorf und sogar Hattersheim am Main befanden, über folgende
Route:

Marburger Schloss – Dammelsberg – Wehrshäuser
Höhe – Wehrshausen
Fischteiche – Neuhöfe – Steinbruch – Drei Linden – Hasenkopf – Heiliger
Grund – Ockershausen.
An den Anfang der Wanderung stellte er zunächst einige Definitionen, um
den Teilnehmer den Titel der Veranstaltung zu erläutern,
Grundlagen-Wissen zu vermitteln und die Vorfreude auf die
bevorstehenden Erlebnisse zu steigern:
Eine Naturlandschaft ist nach engster Definition die Landschaft, die
vom Menschen unbeeinflusst geblieben ist. Dem gegenüber entsteht eine
Kulturlandschaft durch dauerhafte Beeinflussung der ursprünglichen
Naturlandschaft durch den Menschen.
Daraus zog Marold den Schluss: Der Marburger Raum sei
demnach keine Naturlandschaft, da die heute vorzufindende Landschaft
komplett vom Menschen umgestaltet wurde. Dabei prägen allerdings
naturräumliche Grundlagen die Gestalt der Kulturlandschaft, da
natürliche Gegebenheiten das Handeln des Menschen beeinflussen.
Während der Wanderung warteten dann zahlreiche spannende Informationen
auf die Teilnehmer. Zum Beispiel erfuhren sie, dass die Menschen das
Marburger Lahntal zunächst auf den Terrassen und an den Talhängen
oberhalb der Lahn besiedelten, denn die damals noch häufig
überschwemmte Lahnaue war nicht besiedelbar. Dies wurde erst
später durch die "Regulierung" des Flusses möglich. Die Bevölkerung
nutzte vorhandenes Baumaterial, vor allem Buntsandstein und Basalt.
Am Steinbruch zeigte sich indes, wie der Mensch in der
Kulturlandschaft
Lebensräume schafft, die so von Natur aus eigentlich nicht vorliegen
würden. Der Steinbruch ist inzwischen ein Sekundärbiotop. Der einstige
Abbau von Buntsandstein schaffte auf kleinem Raum eine Vielzahl von
unterschiedlichen Kleinstlebensräumen wie die Abraumhalde, Tümpel oder
die Steilwand. Dort finden zahlreiche Tiere und Pflanzen ein Refugium,
die sonst in der Agrarlandschaft Schwierigkeiten haben, einen
Lebensraum zu finden.

Auch in Sachen Ackerflächen hielt der
Diplom-Geograph noch interessante
Informationen parat: Durch Realteilung, also die Aufteilung des
Besitzes an alle Söhne des Bauerns, wurden die Flächen früher immer
kleiner. Durch die technische Entwicklung unter anderem der Traktoren
sind kleine Parzellen inzwischen jedoch unrentabel, daher stand im 20.
Jahrhundert eine Flurbereinigung an. Dies bedeutete die Zusammenlegung
vieler kleiner Parzellen zu einer großen, die Optimierung des
Wegenetzes, die Beseitigung von Hecken oder auch die Begradigung
kleiner Gewässer. Durch den Rückgang der Hecken ging der Verlust ihrer
ökologischen Funktion unter anderem als Lebensraum oder Biotopverbund
einher.